"In den kreativen Wirren

darf ich mich verirren.

Gebe mich des Reimens hin

scheinbar ohne Sinn.

Wie vrrückt ist das Verrücken,

wie normal ist das Entzücken,

einfach so ... nur weil ich bin."

 

Menschenbeifall

Ist nicht heilig mein Herz, schöneren Lebens voll,
Seit ich liebe? Warum achtetet ihr mich mehr,
Da ich stolzer und wilder,
Wortereicher und leerer war?  

Ach! der Menge gefällt, was auf den Marktplatz taugt,
Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen;
An das Göttliche glauben
Die allein, die es selber sind.

Friedrich Hölderlin

 

 

SOZUSAGEN GRUNDLOS VERGNÜGT

 

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen,

Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.

Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit.

Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.

Dass Amseln flöten und dass Immen summen.
Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.

Dass rote Luftballons ins Blaue steigen
Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.

Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht.
Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter.

Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter.
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehen.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,

Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.

Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne

Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.

Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!

Ich freue mich, dass ich ... Dass ich mich freu.

 

aus „In meinen Träumen läutet es Sturm“ von Mascha Kaleko 

 

Ich lieb ein pulsierendes Leben, 
das prickelt und schwellet und quillt, 
ein ewiges Senken und Heben, 
ein Sehnen, das niemals sich stillt.

Ein stetiges Wogen und Wagen 
auf schwanker, gefährlicher Bahn, 
von den Wellen des Glückes getragen
im leichten, gebrechlichen Kahn ....

Und senkt einst die Göttin die Waage, 
zerreißt sie, was mild sie gewebt, -
ich schließe die Augen und sage: 
Ich habe geliebt und gelebt!

 

 

Rainer Maria Rilke